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Mainpost vom 5.März 2006 Ein Geschlechterkampf auf Leben und Tod
![]() Würzburg
- August
Strindberg, schwedischer Dramatiker, war der festen
Überzeugung,
dass "die Frau dem Mann intellektuell und moralisch unterlegen, an
Raffinesse aber überlegen" sei, daher herrsche "zwischen den
Geschlechtern ein Kampf auf Leben und Tod". Kein Wunder also, dass die
weibliche Hauptperson in seinem Drama "Fräulein Julie" nicht
viel
zu lachen hat. Die Kammerspiele des Würzburger Mainfranken
Theaters präsentieren mit "Julie, Traum und Rausch" jetzt eine
modernisierte Bühnenbearbeitung von Wolfgang Maria Bauer.Christin (Irene Halenka) und Jean (Andreas Anke) stehen auf der gesellschaftlichen Leiter ziemlich weit unten und sehnen sich nach der Flucht aus ihrem tristen Alltag. Sie möchte der Realität einfach davonfliegen, er träumt von Julie (Maria Vogt), dem unerreichbaren Fräulein aus der Oberschicht. Ein fleischgewordener Traum Christin und Jean erzählen sich Geschichten, feuern damit ihre Fantasie an. Traum und Wirklichkeit scheinen zu verschwimmen. Dann erscheint Jeans fleischgewordener Traum Julie und betört die beiden kokett und frivol. Mehr und mehr verlieren sich die drei in der reichlich erhitzten Atmosphäre . . . Leichtfüßig und mit viel Sinn für Tempo und Textrhythmus inszenierte Corinna Preisberg das kurze Stück und füllt damit manch inhaltliches Vakuum. Irene Halenka spielt kraftvoll und nuanciert und zeigt reichlich Sinn fürs Komische, wenn sie als patente, lebensfrohe Christin mit Schnute und Bass-Stimme die Dienstherren nachäfft. Maria Vogt gibt wie schon in dem Stück "Feuergesicht" das zierliche, aufreizende Elflein, zart und doch unglaublich energisch. Andreas Anke zeigt viel Wandlungsfähigkeit, wenn er als Jean, stets hin- und hergerissen von Zukunftstraum und Leidenschaft, über die Bühne stürmt. Sehnsüchtige Aufbruchstimmung Das Bühnenbild von Gesine Pitzer bietet den passenden Hintergrund zur knappen Handlung. Weiße, durchscheinende Stoffbahnen begrenzen den Raum, ein karges Hotelzimmer, ausgestattet mit Matratze, Kühlschrank und floraler Auslegeware. Herumstehende Koffer verdeutlichen die sehnsüchtige Aufbruchstimmung unter den Figuren. Großes Geschick beweist Pitzer auch bei den Kostümen: Irene Halenka trägt ein rotes Hemdchen zur weißen Jeans, im raffinierten Kontrast dazu spielt Maria Vogt in weißer Corsage, Tutu, roten Strümpfen und High Heels. Wolfgang Maria Bauer entstaubt mit "Julie, Traum und Rausch" Strindbergs angejahrtes naturalistisches Trauerspiel auf originelle Art, angefangen von der Verlagerung der Handlung in die Gegenwart bis hin zur sprachlichen Auffrischung des spröden Einakters. Alles in allem bleibt das Stück aber mit seiner luftigen Harmlosigkeit ohne große Nachwirkung. Von unserer Mitarbeiterin Eva Werner |
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